Nachdem in diesem Blog ja schon vor mehreren Wochen über die Instrumentalisierung von Kindstötungen und Kindesmissbrauch geschrieben wurde, ist dieses Thema in Leipzig leider wieder aktuell geworden:
In Leipzig wurde gestern der Tod der verschwundenen 8-Jährigen Michelle S. von der Polizei offiziell bekanntgegeben. Kurz darauf zogen am frühen Abend rund 300 bis 400 Personen durch den Leipziger Stadtteil Reudnitz. Organisiert wurde die Veranstaltung von dem bekannten Leipziger Nazi Istvan Repaczki, der auch der Onkel des ermordeten Mädchens ist, und Personen aus dem Umfeld der „Freien Kräfte Leipzig“. Mehrere Bürgerinnen und Bürger schlossen sich der Demonstration an, und liefen zusammen mit Leipziger Nazis hinter den Transparenten „Ohne uns keine Zukunft – nationaler Sozialismus jetzt“ und „Todesstrafe für Kinderschänder jetzt“ durch die Straßen. Zwar behaupten die Nazis selber, dass es sich um keine politische Aktion gehandelt hat und keine Parolen gerufen wurden. Letzteres trifft nicht zu, da viele DemonstrationsteilnehmerInnen mehrfach „Todesstrafe für Kinderschänder!“ skandiert haben. Desweiteren zeigt das Transparent mit der Aufschrift „nationaler Sozialismus jetzt!“ eindeutig, dass es auch um Werbung für die politischen Vorstellungen der Nazis ging. Das ist eine ganz klare Instrumentalisierung des Mordes an der 8-Jährigen – und das nicht nur durch Leipziger Nazis sondern auch durch ihren eigenen Onkel Istvan Repaczki.
Das Engagement der Nazis gegen Kinderschänder erscheint zudem nocheinmal in einem anderen Licht, wenn man bedenkt, dass vor rund 2 Wochen eine 13-Jährige von einem Nazi in Hessen mit einem Spaten fast totgeschlagen wurde. Auf dem Naziinternetportal „Altermedia“ waren fast ausschließlich rechtfertigende Worte für die Tat von den Usern zu vernehmen.
Derselbe Istvan, der in Leipzig für die Todesstrafe für Kinderschänder wirbt, hat zudem an anderer Stelle über eine Frau gesagt, dass diese seiner Meinung nach „genetischer Dreck“ sei und „früher ins KZ gesperrt“ worden wäre. Das sind nur zwei Einzelfälle, in denen sich die eigentliche Menschenfeindlichkeit der Nazis zeigt.
In der Onlinecommunity StudiVZ hat sich derweil eine Gruppe mit dem Namen „arme kleine 8 jährige Michelle-Warum nur warum????“ gegründet. Neben vielen Beileidsbekundungen für die Verwandten des Mädchens sammeln sich nicht wenige unertragbare Kommentare:
Angefangen beim ständigen Widerholen von Unwahrheiten und massiven Übertreibungen
Also ich muss ja auch mal sagen, dass es den Kinderschändern ziemlich leicht gemacht wird-da kriegt man ja ne höhere Strafe, wenn man in den Supermarkt geht und ne CD klaut!„
„hier in unserer ach so tollen BRD KINDERSCHÄNDER mehr geschützt werden als ihre Opfer„)
über wilde Spekulationen
„Es soll wohl auch der gleiche sein der am Montag Morgen aus dem Vollzug in Leipzig gelassen worden war.„
„dieser kerl ist unter uns,glaubt es mir… und ich glaube,dieses schwein ist auch noch so dreist,sich unter die leute zu mischen,die an dem tag am wäldchen waren und bei dem trauermarsch teilgenommen haben. ich wette auch,dass dieser typ auch morgen an der schweigeminute teilnimmt… so ist er am unauffälligsten! haltet also die augen offen,wenn ihr jemand alleine seht,der euch auffällig scheint
bis hin zu abartigen Gewaltphantasien
„am besten werden die basdarte in die stadt gehangen und jeder darf mit dem machen was er will ganz langsam sterben lassen und quälen würde ich diese kinderschänder!!!“
„ich würde die alle zusammen sperren und ein wettbewerb starten… der der andere zuerst vergewaltigt und umbringt hat gewonnen… die belohnung wird qualvollen sterben und folterung sein… tage lang…wochen lang…von mir aus jahre lang…“
„Warum können die solche Idioten denn nicht Kastrieren, die Augen ausstechen und die Hände abhacken???“
„an die wand ketten und mit steinen beschmeißen und dann sein schw… in den schraubstock und langsam zu drehn damit er weiß was er getan hat und dann in die totesprtze wo er qualvoll stirbt aber nein deutschland da sind die strafen für sowas zu milde“
Auch für den Samstag ist für 16 Uhr ist an der Martinschule ein Gedenken angesetzt – lässt sich nur hoffen, dass es diesmal nicht wieder von Nazis instrumentalisiert wird.
Schlagworte: Demonstration, Kriminalität, Nazis, Todesstrafe für Kinderschänder Kampagne
August 27, 2008 um 12:33
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