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Benjamin, du böser Elefant..

Juni 27, 2008

Die Hörspiele von Benjamin Blümchen und Bibi Blocksberg verdienen aus politikwissenschaftlicher Sicht keineswegs das Prädikat „wertvoll“

Zu diesem Schluss kommt der Politikwissenschaftler Dr. Gerd Strohmeier in einem Beitrag für APuZ („Aus Politik und Zeitgeschichte“), einem Magazin das von der Bundeszentrale für politische Bildung als Beilage der Zeitung „Das Parlament“ herausgegeben wird.

Manch eine/-r mag den Aufsatz von dem hier die Rede ist („Politik bei Benjamin Blümchen und Bibi Blocksberg„) bereits kennen, aber er ist zu herrlich, um ihn nicht noch einmal zu erwähnen:

Strohmeiers Ansatz für die Untersuchung der beiden Hörspiele liegt darin, dass er bei Benajmin und Bibi „im Rahmen ihrer (vermutlich beabsichtigten) Vermittlung expliziter politischer Inhalte“ ermitteln will „welchen Beitrag sie dabei zur Erreichung des normativen Ziels politischer Sozialisation in pluralistischen Demokratien leisten„.

Als erstes analysiert Strohmeier die Rolle des Bürgermeisters in den Hörspielen, der zumeist als „verantwortungslos“ und „wenig hilfsbereit“ charakterisiert ist und kein Interesse am „Wohl der Bürger“ hat.

Mit anderen Worten: Der Bürgermeister ist (selbst im Vergleich zu Kindern) ungebildet, unfähig, ungeschickt, unbeholfen und undiplomatisch – kurz: „eine Flasche, aber ohne Geist!“

Auch die Polizei scheint in den Hörspielen nicht gut wegzukommen:

Die Polizei wird durch den Polizeipräsidenten sowie andere Polizisten repräsentiert, die in einigen Geschichten vorkommen. Sie hat tendenziell ein negatives Image, das bereits im (alten) Titellied von Benjamin Blümchen anklingt: „Benjamin liebt alle Leute, ja sogar [!] die Polizei“

Im Gegensatz zu beiden erstgenannten Akteuren und der Wirtschaft („Ihnen gemeinsam ist, dass ihnen Geld sehr viel bedeutet und ihnen beinahe jeder Weg recht ist, um an Geld zu kommen.“) kommt eigentlich nur die Presse gut weg, die bei Benjamin durch die bekannte „Karla Kolumna“ repräsentiert wird.

Aus der oben beschriebenen Feststellung, dass gesellschaftliche Akteure und Institutionen bei Benjamin und Bibi kritisch betrachtet werden (welch Frevel!) und der Tatsache, dass Benjamin Blümchen in den Hörspielfolgen seine Priorität vor allem auf Umweltpolitik setzt, eine Demonstration und einen Sitzstreik veranstaltet, gegen Krieg ist, den Armen ab-und-an mal helfen will und „Karla Kolumna der Meinung ist, dass es ‘genug [..] Ordnung in diesem Land’ gibt“ bastelt sich Strohmeier folgende Einschätzung der politischen Positionen, die bei Benjamin und Bibi präsentiert werden, zusammen:

ökologisch, postmaterialistisch, basisdemokratisch, kritisch, zivilcouragiert, pazifistisch, sozial, antikapitalistisch, egalitär, tendenziell anarchisch bzw. antistaatlich, antihierarchisch, antiautoritär und antikonservativ

Für Strohmeier sind diese Positionen „mit anderen Worten: „links“ der politischen Mitte (linksliberal bis linksalternativ).“ Um dann direkt im nächsten Absatz daraus folgendes zu schließen:

Die Hörspiele von Benjamin Blümchen und Bibi Blocksberg verdienen aus politikwissenschaftlicher Sicht keineswegs das Prädikat „wertvoll“

Die von Strohmeier konstruierten Ketten von ökologisch -> links -> nicht wertvoll oder Sitzstreik/Demonstration -> anarchisch verdienen das „Prädikat Wertvoll“ auf jeden fall selbst nicht:
Wer demokratische Grundrechte wie das Recht auf Versammlungsfreiheit (Demonstrationen) und das Streikrecht als „anarchisch“ diffamiert und versucht diese gegen die Demokratie auszuspielen, sollte unter Umständen selbst über die ein oder andere Nachhilfestunde nachdenken. Vielleicht bietet ja die Bundeszentrale für politische Bildung so etwas an.